Ein paar Infos übers Stillen
...über das Stillen von Kleinkindern!!!

Seiten über das Stillen gibt es im Internet genug, darunter auch so gute, daß ich gar nicht erst damit anfangen möchte, dazu irgendwas zu ergänzen. Informationen zu Problemen und sonstigen Fragen findet Ihr auf den Seiten, die ich unter den Links angegeben habe.
 
 

Dieses Plakat habe ich im 
Karlsruher Zoo entdeckt. 
Autsch!!! *ggg*

Jetzt werdet Ihr bestimmt auch wissen wollen, warum ich denn überhaupt was über das Stillen schreiben will, wenn Eliana doch nun schon ein Jahr alt ist, wenn man überhaupt so lange gestillt hat, dann *muß* *man* *es* doch jetzt nicht mehr *tun*!!! Tja, dieser Meinung war ich auch einmal, und je älter meine Tochter wurde und je mehr ich gelesen habe zu dem Thema (hauptsächlich in der Mailingliste "WirStillen", desto weniger dachte ich über das Thema Abstillen nach. Inzwischen bin ich der Überzeugung, daß es für uns, für Eliana und mich, kein Abstillen geben wird, ich werde den Zeitpunkt, wo sie keine Muttermilch und meine Brust nicht mehr braucht, ihr selbst überlassen.

Irgendwo habe ich den schlauen Satz gelesen, daß die Natur den Kindern ein Saugbedürfnis gegeben hat, das bis mindestens ins zweite, oft bis ins sechste Lebensjahr hineinreicht. Genau deswegen sieht man ja (leider!) noch so viele Kleinkinder, die mit Schnuller im Mund oder einer Teeflasche herumlaufen. Aber warum hat denn die Natur das Saugbedürfnis für so eine lange Zeit eingerichtet? Doch bestimmt nicht zugunsten der Firma NUK??? Klingt doch logisch, oder? "Klar" werdet Ihr jetzt sagen "Aber!"
"Aber wie kannst Du Dich denn so lange von Deinem Kind abhängig machen und es ständig an Deiner Brust hängen haben?" Abhängig von meinem Kind? Naja, klar ist mein Kind von mir abhängig, das ist sie so lange, bis sie auszieht und ihr eigenes Geld verdienen kann! Vorher besteht immer eine Form von Abhängigkeit und solange ich mein Kleinkind noch beim Essen, Anziehen, Schlafengehen, Toilette gehen usw. unterstützen muß, solange kann und will ich ihr auch die Nähe beim Stillen nicht vorenthalten. Ich weiß auch gar nicht, was dieses Argument immer soll, daß frau möglichst schnell abstillen will, weil dann kann sie auch endlich mal alleine für sich was unternehmen und muß nicht immer wegen dem Füttern auf die Uhr schauen. Also, dieser Punkt hat mich noch nie gestört. In den ersten sechs Monaten, ja, da habe ich auf die Uhr geschaut, daß ich nach 2 Stunden wieder daheim war, wenn ich sie wirklich mal bei meiner Mutti gelassen habe (um Reiten zu gehen). Aber sobald sie größer war und Beikost bekam, dann hat sie mich bzw. die Mumi gar nicht vermißt, sondern gar nicht daran gedacht und dann eben getrunken, wenn ich wieder zu Hause war. Bis jetzt habe ich es noch gar nicht übers Herz gebracht, sie länger als ein paar Stunden zu Hause zu lassen, normalerweise nehme ich sie überall mit hin, seien es Vorträge, Konzerte oder Proben. Und was gibt es einfacheres für ein Kind "auf Achse", wenn man die perfekte Nahrung gleich immer und überall trinkfertig dabei hat, auch wenn es einmal später werden sollte??? Wo ist denn dabei bitte die Abhängigkeit?
"Also, wenn sie Dir dann auf den Schoß springt und die Bluse aufreißt, das ist doch eklig!" - Ehrlich gesagt, das war auch mein größtes Problem damit früher! Und was den Punkt betrifft, habe ich auch noch keine Erfahrungswerte. Aber ich weiß erstens, daß mir jetzt schon das Herz aufgeht, wenn sie meine Brust anstrahlt und genau weiß, was da gutes rauskommt. Und zweitens glaube ich vielen anderen Müttern, die sagen, daß man auch in diesem Punkt die Kleinen "erziehen" kann, daß sie einfach wissen, daß sie eben nur zu Hause die Brust bekommen und unterwegs nicht danach gebettelt oder sich gar selbst bedient wird. Ich kann mir das nicht allzu schwer vorstellen.
Wißt Ihr, wie unheimlich praktisch es ist, wenn ein (älteres) Kind sich mit beginnenden Infektionen auseinandersetzen muß? Die Natur hat das so eingerichtet, daß selbst solche Kinder, die normalerweise nur noch einmal am Tag einen Schluck bei Mama trinken, sich plötzlich von einem Tag auf den anderen wieder komplett von Muttermilch ernähren können, zumindest für einige Tage, solange die Krankheit andauert. Muttermilch ist gerade bei Magen-Darm-Erkrankungen die allerbeste und verträglichste Heilnahrung und die meisten Infektionskrankheiten können durch ein paar Schlucke mehr sehr gut abgeschwächt oder gar ganz außen vor gehalten werden. Ich zitiere hier mal Ulrike Schmidleithner (Quelle): Die Muttermilch enthaelt im zweiten Jahr des Stillens ein hoeheres Mass an bestimmten Antikoerpern, sie erreichen teilweise eine aehnlich hohe Konzentration wie das Kolostrum. Zum Beispiel das Lysozym, das die Zellwand der Bakterien zerstoert, ist in groesserer Menge in der Milch der Mutter eines 18 Monate alten Kleinkindes zu finden, als in der Milch der Mutter eines Sechsmonatigen. Die Mutter produziert auch weiterhin Antikoerper gegen die Krankheitserreger, mit denen sie konfrontiert wird, und schuetzt dadurch ihr Kind indirekt ueber die Milch, solange sie stillt. Kinder, die jahrelang gestillt werden, sind bedeutend weniger haeufig krank
Ein Grund, der für mich nicht unbedingt der wichtigste ist, aber auch angenehm zu wissen: Die Wahrscheinlichkeit, daß mein Kind die Veranlagung zum Übergewicht von mir erbt, sinkt mit zunehmender Stilldauer, bei Kindern, die über ein Jahr gestillt werden, beträgt sie nur noch 0,8 %!!!
Und - was für mich nicht ausschlaggebend war, ist die Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO, zwei Jahre und länger zu stillen: aber beruhigend ist es dennoch , daß ich mit meiner Meinung nicht zu einer Gruppe spinnerter Ökos gehöre, sondern eine hochoffizielle Deklaration im Rücken habe, die leider wohl nur deswegen noch nicht sonderlich bekannt ist, weil die Babynahrungshersteller (nicht zu vergessen die Hersteller der "Saugelemente"!) viel zu viel Geld haben und in die Werbung stecken können. Werbung fürs Stillen bezahlt keiner, und wie soll man denn dann die Frauen erreichen können und ihnen von der Wichtigkeit des (langen) Stillens erzählen??? Ich habe mir vorgenommen, als gutes Beispiel voranzugehen, mich in der Öffentlichkeit nicht zu verstecken und Fragen nicht aus dem Weg zu gehen. Vielleicht hilft es ja was.........


"Wir sind doch nicht im Urwald!"
Ja und???
Wir mit unserer schlauen Zivilisation sehen manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht,
weil wir meinen, für alles eine Lösung gefunden zu haben.
Wenn auch die Kunstprodukte noch so gut und immer besser werden,
an die Muttermilch werden sie NIE heranreichen!!!
Und warum soll ich meinem Kind das Produkt, das allein für es hergestellt wird,
das sich ständig verändert, von Monat zu Monat, von Tag zu Tag,
ja sogar von Anfang bis Ende einer Stillmahlzeit,
vorenthalten oder nach einem halben Jahr durch Kuhmilch ersetzen?
Kuhmilch ist doch für Kälbchen!!!
... schönes Foto, oder?


Stillgeschichte von Anne und ihrer Tochter Chiara. Herzlichen Dank dafür an Euch!!!

Ein Kleinkind stillen?
Ich??? Nee, ganz sicher nicht! Das ist doch irgendwie abartig, wenn die schon laufen können, und kommen dann an und heben Mama die Bluse hoch, weil sie trinken wollen. Nee, nee, das tu ich mir nicht an!
So etwa dachte ich vor zwei Jahren noch übers Stillen. Klar wollte ich mein Kind stillen. Keine Frage. 6 Monate voll stillen, dann nach und nach Mahlzeiten ersetzen durch Beikost (so wie frau das eben macht), bis zuletzt nur die Abend- und die Morgenmahlzeit übrigbleiben. Und die werden dann mit einem Jahr etwa auch abgewöhnt. Ganz sicher wollte ich keine Fläschchen einführen. Nagut, vielleicht würde ich morgens noch was länger stillen, ist ja praktisch, nicht sofort aufstehen zu müssen....
Heute ist meine Tochter 17 Monate alt und wird immer noch gestillt. Unsere Stillbeziehung war von Anfang an sehr harmonisch. Aber es war schon bald klar, daß Chiara ein ausgesprochener Brust-Fan ist. Als ich anfing, mich mit dem Gedanken an Beikost näher zu beschäftigen, tauchte für mich die Frage auf, welche Mahlzeit ich wohl ersetzen sollte. Mittags? Die um halb elf? Oder die um zwölf? Oder lieber die um halb zwei? Oder lieber abends? Ich bin abends oft durch meinen Beruf unterwegs, da könnte dann der Papa füttern und ich hätte mehr Ruhe.... Aber wann füttern? Um sechs, um sieben, um acht? Um sechs füttern und dann um halb zehn noch mal stillen zum Schlafengehen? Irgendwie war mir das alles sehr komisch. Hatte meine Tochter doch überhaupt keinen festen Rhythmus und wurde nur nach Bedarf gestillt, wann immer sie den Bedarf meldete. Außerdem sah ich dem Beginn des Abstillens mit sehr gemischten Gefühlen entgegen. Ich genoss das Stillen sehr und irgendwie fand ich es schade, mit dem Aufhören anzufangen. Alle diese Überlegungen wurden dann zunichte gemacht, als Chiara mit sechs Monaten die ersten Fütterversuche mit angewidertem Kopfschütteln und Übergeben quittierte. Ratlos rief ich meine Hebamme an. Aber sie beruhigte mich und sagte, dann solle ich eben weiter stillen, dann sei Chiara eben noch nicht so weit, es sei gar kein Problem gegebenenfalls ein ganzes Jahr voll zu stillen. "Sie wird Dir schon zeigen, wenn sie was anderes will, mach Dir keine Sorgen!" Also weiter voll stillen. Irgendwie fand ich das erstmal gut!
In dieser Zeit fand ich den Kontakt zur Mailing-Liste "wirstillen". Dort erfuhr ich dann auch, daß Beikost nicht Mahlzeiten ersetzen heißt, sondern eben Bei-Kost. Eigentlich klar da hätte ich auch selber drauf kommen können. Als Chiara 7 Monate alt war, bekam sie ihren ersten Zahn und mit einem Mal signalisiert sie ganz deutlich "Jetzt will ich was anderes essen!" Fortan haben wir alles mögliche probiert. Sie aß etwas Butterbrot von uns mit, ich kochte abends Hirsebrei mit Obst für sie, mittags gab's Gläschen-Kost oder Selbstgekochtes. Alles probierte sie mit Begeisterung, aber essen wollte sie nie viel. Das Selbstgekochte mochte sie wenigstens etwas mehr als die Gläschen-Nahrung, aber so richtig satt essen wollte sie sich nie! Bis zum Alter von fast einem Jahr aß sie nur mikroskopische Mengen an Beikost, immer wieder gab es Tage, an denen ich wieder voll stillte. Meinen Gedanken, mit einem Jahr vollständig abzustillen, hatte ich schon sehr früh verabschiedet. Das fiel mir auch gar nicht schwer, denn die Innigkeit beim Stillen war einfach viel zu schön, um sie einfach so aufzugeben. Es wäre wohl auch gar nicht möglich gewesen, Chiara mit einem Jahr abzustillen.
Mittlerweile ißt Chiara alles von unserem Essen mit, was sie nicht hindert, zum Nachtisch oder zwischendurch noch ein Schlückchen Mumi zu verlangen. Ja, das was ich so "abartig" fand vor zwei Jahren, passiert mir nun auch. Und ich find's sogar oft richtig niedlich, wie sie sich verständlich macht, um an ihre geliebte Mumi zu kommen. Wie sie ihre Freude zeigt, wenn ich mich ausziehe, um zu ihr ins Bett zu kommen zum Stillen. Wie sie jubelt vor Freude, wenn es ihr gelungen ist, mein Shirt aufzuknöpfen. Es ist einfach knuffig, wie sie sich immer wieder neue Still-Positionen ausdenkt. Es gibt fast keine Stellung, in der sie nicht andocken kann, um Mumi zu trinken. Lieblingsposition ist zur Zeit (außer dem Liegen im Bett natürlich) das Stehen zwischen Mamas Beinen, während Mama sitzt und sich so weit vorbeugt, daß Chiara die Brust erreichen kann. Dabei lehnt sie meist lässig an einem meiner Beine an, verschränkt ihre Beine, und stützt noch ganz cool einen Ellenbogen auf meinen Oberschenkel. In dieser Position kann sie ihre Selbständigkeit am besten bewahren. Denn sie wird überhaupt nicht von mir gehalten, dennoch ist sie mir ganz nah, aber sie kann jederzeit weg, wenn sie Wichtigeres erledigen muß! Außerdem kann sie sich dabei ganz gut drehen und hat trotz Stillen noch einen recht großen Radius den sie überblicken kann.
Nein, abartig finde ich das gar nicht mehr. Es ist normal. Für uns jedenfalls. Es gibt sicher Menschen, die sowas ablehnen. Aber das stört uns ja nicht. Wir sind in diese Situation hineingewachsen, und das ist gut so! Ich würde es nie wieder anders haben wollen und ich kann auch nur jeder Mutter Mut machen, so lange zu stillen. Es ist einfach schön.
Anne B. mit Chiara (*27.09.00)

Nochmal Anne B. auf den Vorwurf hin, daß es in unserer Kultur eben üblich sei, die Kinder nicht länger als 6 Monate zu stillen:
"Also irgendwie versteh ich das jetzt nicht. Was hat die Stilldauer mit unserer Kultur zu tun? Entweder kommen Kinder mit einer biologischen Erwartung des Gestilltwerdens von 2-5 Jahren auf die Welt oder nicht. Die Kinder wissen doch nicht, in welcher Kultur sie geboren wurden und daß in unserer Kultur Stillen "out" ist und daß bei uns Kinder mit Flaschen ernährt werden und mit Kunst-Nuckis zugestöpselt werden? Wieso ist das, was in einem anderen Kulturkreis normal ist, bei uns ein Fall fuer eine "Analyse der Situation, vielleicht mit professioneller Hilfe"? Wenn frau das Abstillen ihrem Kind ueberläßt, hat sie (relativ) wenig Einfluß auf die Stilldauer. Natuerlich kann ich mich meinem Kind entziehen, aber dann überlasse ich es nicht mehr dem Kind. Außerdem stelle ich mir das echt kompliziert vor! Wenn ich Chiara jetzt abstillen wollte (sie ist uebrigens fast genau 1,5 Jahre alt - muss ich jetzt zum Psychiater?), müßte ich wohl fuer zwei Wochen wegfahren. Anders würde sie das wohl kaum akzeptieren. Aber was ich dann damit bei ihr anrichten würde, darüber möchte ich erst gar nicht nachdenken - sie braucht den Psychiater dann ganz bestimmt!"