Attachment Parenting


Es ist schön, daß es einen Begriff dafür gibt, der das beschreibt, was ich und viele Freunde mit unseren Kindern leben. Das Continuum Concept von Jean Liedloff ("Auf der Suche nach dem verlorenen Glück") geht in die gleiche Richtung: es ist das Eingehen auf die Bedürfnisse des Kindes, die Kunst, die Bedürfnisse zu stillen (und sie nicht dem Kind abzugewöhnen) und damit zufriedene Menschen heranwachsen zu sehen. Es ist die Abkehr vom "Kind nach Plan", das mit festen Fütterungs- und Schlafenszeiten und mit dem schnellen Gewöhnen an ein Durchschlafen - alleine! - zu einem möglichst früh selbständigen Menschen erzogen werden sollte. Das klingt für Noch-nicht-Eltern zwar sehr praktisch, aber das, was wir beim Attachment Parenting praktizieren, ist um ein vielfaches praktischer, auch wenn es erstmal schwieriger und zeitaufwendiger aussieht. Ich bin der Überzeugung, daß jede Minute, die ich jetzt durch "Verhätscheln" in mein Kind investiere, mir später einmal tausendfach zurückgegeben wird. Es ist ja auch mittlerweile erwiesen, daß Kinder, deren Bedürfnisse in der frühesten Kindheit erfüllt wurden, doch "besser" selbständig werden, sie können besser loslassen, weil sie in einer Sicherheit ruhen und nichts nachzuholen haben was ihre Eltern betrifft!

Ich denke, um das ganze richtig zu erklären, lasse ich mal lieber Dr. William Sears zu Wort kommen, der den Begriff des Attachment Parenting geprägt hat und dessen berühmtes Buch "Schlafen und Wachen" hoffentlich eines Tages den Psychoterror beinhaltenden Bestseller "Jedes Kind kann schlafen lernen" in den Verkaufszahlen überholen wird!!!
 

Was "attachment" bedeutet     Original
Bevor wir die Grundlagen des Attachment Parenting untersuchen, ist es wichtig, dass Sie wissen, was es bedeutet, "attached", also
verbunden zu sein.

Attachment verstehen
Sie werden den Begriff “Attachment” auf dieser Seite recht häufig finden, denn, kurzgesagt, es ist vielleicht der wichtigste Begriff im
Elternsein. Attachment ist ein spezielles Band zwischen Eltern und Kind; ein Gefühl, dass Sie wie ein Magnet zu Ihrem Kind zieht;
eine Beziehung, die, wenn sie ganz tief empfunden wird, die Mutter fühlen lässt, dass das Baby ein Teil von ihr ist. Dieses Gefühl ist
so stark, dass, zumindest in den ersten Monaten die ‚verbundene’ Mutter sich komplett fühlt, solange das Baby bei ihr ist und sie
fühlt sich unvollständig, wenn sie voneinander getrennt sind
-    Wir werden oft den Begriff Mutter-Kind-Verbindung verwenden, nicht, um den Vater auszuschließen, sondern weil, zumindest
        in den ersten Monaten in den meisten Familien die Mutter-Kind-Verbindung offensichtlicher ist. Das bedeutet nicht, dass ein
        Vater nicht auch eine tiefe Verbindung mit dem Kind bekommen kann, aber es scheint oft eine andere Art von Verbindung zu
        sein – nicht besser oder schlechter als die der Mutter, einfach anders.
-    Attachment bedeutet, dass eine Mutter und ihr Kind miteinander harmonieren. Mit dem Baby in Einklang sein ist eines der
        erfüllendsten Gefühle, das eine Mutter sich erhoffen kann zu haben. Beobachte eine Mutter und ihr Kind, die ‚verbunden’
        sind (in Einklang). Wenn das Baby ein Zeichen gibt, wie Schreien oder einen bestimmten Gesichtsausdruck, das ein Bedürfnis
        anzeigt, antwortet die Mutter, weil sie für die Signale des Babys offen ist.
-     Anfangs mögen ihre Antworten und Reaktionen ein wenig angestrengt wirken und nicht immer das sein, was das Baby braucht.
        Aber wenn das Mutter-Baby-Paar diese Signal-Antwort-Interaktion Hunderte male übt, wird diese Signal-Antwort-
        Verbindung im Laufe der Elternschaft immer natürlicher und harmonischer. Das Baby beginnt, die Antwort vorherzusehen, die
        seine Mutter geben wird und wird so motiviert, noch mehr Zeichen zu geben, da es lernt, dass es eine vorhersehbare Antwort
        bekommen wird.
-     Dadurch, dass das Baby der Mutter die Rückmeldung gibt, dass ihre Zuwendung willkommen ist, genießt das Mutter-Baby-
        Paar einander mehr. Sie gewöhnen sich aneinander.
-     Eine ‚verbundene’ Mutter erzählte uns: "Ich fühle mich absolut abhängig von ihr" – was meinte, dass die Mutter sich ‘richtig’
        fühlte, wenn sie mit dem Baby zusammen war und ‘nicht richtig’, wenn sie getrennt waren.
-     Sie werden es merken, wenn Sie dieses ‘verbundene’ Gefühl mit ihrem Baby bekommen. Wenn Ihr Baby schreit und sie
        antworten aus Ihrem Herzen heraus mit einer natürlichen und nicht gezwungenen Antwort, sind sie verbunden. Wenn Ihr
        Baby Ihnen ein Signal gibt  und sie reagieren mit einem Gefühl von Richtigkeit bezüglich Ihrer Antwort, sind Sie auf einem
        guten Weg, ein ‚verbundenes Elternteil’ zu werden.
-    Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit Ihren Empfindlichkeits-Index. Wenn Sie zunehmend einfühlsam für Ihr Baby werden:
    o stört es Sie, wenn Ihr Baby schreit. Sie fühlen mit  Ihrem Baby in Zeiten mit Koliken. Sie werden ‚verbunden’.
    o sind Sie gewillt, ausgedehnte Beruhigungsmaßnahmen durchzuführen, wenn Ihr Baby unruhig ist. Sie werden ‚verbunden’.
    o Lernen Sie, die Bedürfnisse des Babys vorherzusehen. Ein Gesichtsausdruck, wie beispielsweise eine Grimasse, geht einem
        Schrei voraus. Sie reagieren bereits auf der Stufe der Grimasse, bevor Ihr Baby schreien muss. Sie werden ‚verbunden’.
    o Ihre Reaktionen werden natürlicher; sie geschehen intuitiv. Anstatt eine Wissenschaft aus den Schreien Ihres Babys zu machen
        und Gehirnverrenkungen zu machen (Werde ich es verderben? Manipuliert es mich?), reagieren Sie einfach natürlich und
        fühlen die Richtigkeit Ihrer Reaktion. Sie werden ‚verbunden’.
 

Was Attachment Parenting ist – Die 7 Baby-B’s  Original
‘Attachment parenting’ ist ein Stil der Erziehung und Kinderpflege, der das Beste im Baby und das Beste in den Eltern herausbringt.

7 Werkzeuge des Attachment: Die Baby-B’s
1. Verbindung nach der Geburt (Birth bonding). Die Art und Weise, wie Baby und Eltern miteinander beginnen, hilft, das anfäng-
    liche‚attachment’ zu entfalten. Die Tage und Wochen nach der geburt sind eine empfindliche Periode, in der Mütter und Babys
    einzig darauf ausgerichtet sind, einander nah zu sein. Eine enge Verbindung nach der Geburt und darüber hinaus erlaubt die
    natürlichen, biologischen verbindungsfördernden Verhaltensweisen des Kindes und die intuitiven, biologischen, beschützenden
    Qualitäten der Mutter, zusammen zu kommen. Beide Mitglieder dieses biologischen Paares erhalten diesen richtigen Start zu
    einer Zeit, in der das Kind am bedürftigsten ist und die Mutter am ehesten geneigt, es zu pflegen.
    "Was, wenn etwas das sofortige Bonding verhindert?"
    Manchmal trennen medizinische Komplikationen Sie und Ihr Baby für eine Weile, aber dann beginnt das darauffolgende
    Bonding, so bald als möglich. Als das Konzept des Bonding vor 20 Jahren erstmals in der Erziehungswelt auftauchte, brachten
    einige Leute dies total aus dem Gleichgewicht. Das Konzept des menschlichen Bonding als eine „kritische Zeit“ oder „jetzt-
    oder-nie“ war niemals beabsichtigt. Bonding bei der Geburt ist nicht wie Sofortkleber, der die Mutter-Kind-Beziehung für
    immer zusammenzementiert. Bonding ist eine Serie von Schritten in Ihrem lebenslangen Zusammenwachsen mit Ihrem Kind.
    Sofortiges Bonding gibt der Eltern-Kind-Beziehung einen Vorsprung.
2. Stillen (Breastfeeding). Stillen ist eine Übung im Baby-Lesen. Stillen hilft Ihnen, die Signale Ihres Babys zu lesen, seine Körper-
    sprache, die der erste Schritt dazu ist, das Baby zu kennen. Stillen verschafft Baby und Mutter einen guten Start ins Leben.
    Muttermilch enthält einzigartige, gehirnentwickelnde Bestandteile, die nicht nachgemacht oder gekauft werden können. Stillen
    fördert die richtige Chemie zwischen Mutter und Kind durch die Stimulation der Prolaktin- und Oxyticinproduktion, Hormone,
    die Ihre Muttergefühlen ankurbeln.
3. Tragen (Babywearing). Ein Baby lernt viel in den Armen eines beschäftigten Betreuers. Getragene Babys sind weniger unruhig
    und verbringen mehr Zeit im Zustand ruhiger Wachsamkeit, dem Verhaltenszustand, in dem Babys das meiste über ihre Umwelt
    lernen. Tragen fördert die Sensibilität der Eltern. Weil Ihr Baby so nah bei Ihnen ist, lernen Sie das Baby besser kennen. Nähe
    fördert Vertrautheit.
4. Familienbett (Bedding close to baby). Wo auch immer alle Familienmitglieder den besten Nachtschlaf bekommen, ist die richtige
    Regelung für Ihre individuelle Familie. Das Familienbett fügt einen Nacht-Körperkontakt-Bonus hinzu, der tagsüber beschäftigten
    Eltern hilft, sich nachts wieder mit ihrem Kind zu verbinden. Da die Nacht eine Zeit der Angst für kleine Menschen ist, minimiert
    das enge Beieinanderschlafen nächtliche Trennungsängste und hilft dem Baby zu lernen, dass der Schlaf ein Zustand ist, in den
    man schön hineingleitet und angstlos drin verharrt.
5. Glaube an den Sprachwert von Ihres Babys Schrei (Belief in the language value of your baby's cry). Der Schrei eines Babys ist
    ein Signal, das dafür geschaffen wurde, das Überleben des Babys zu sichern und die Entwicklung der Eltern zu fördern. Sensibel
    auf den Schrei Ihres Babys zu reagieren, bildet Vertrauen. Babys vertrauen darauf, dass ihre Betreuer auf ihre Bedürfnisse
    reagieren. Eltern lernen schrittweise, ihrer Fähigkeit, die Bedürfnisse des Babys zu erfüllen, zu vertrauen. Dies erhöht das Eltern-
    Kind-Kommunikation-Level um eine Klasse. Kleine Babys weinen um zu kommunizieren, nicht zu manipulieren.
6. Hüten Sie sich vor ‚Baby-Trainern’ (Beware of baby trainers). Das ‚Attachment Parenting’ lehrt Sie, Ratschlägen gegenüber
    kritisch zu sein, vor allem solchen aus unnachgiebigen und extremen Erziehungsstilen gegenüber, die Ihnen beibringen, eine Uhr
    oder einen Zeitplan zu beachten anstelle Ihres Babys; Sie wissen schon, die schreiende Masse. Diese “Bequemlichkeits-Eltern”
    gewinnen auf kurze Sicht gesehen, auf lange Sicht gesehen jedoch verlieren sie, und es ist somit kein geschicktes Investment.
    Diese eher eingeschränkten Erziehungsstile schaffen eine Distanz zwischen Ihnen und Ihrem Baby und halten Sie davon ab, ein
    Experte für Ihr Baby zu werden.
7. Ausgeglichenheit (Balance). In Ihrem Eifer, Ihrem Baby so viel zu geben, kann es leicht passieren, dass Sie Ihre eigenen Bedürf-
    nisse und die Ihres Partners vernachlässigen. Sie werden lernen, dass das Finden des Schlüssels für die Ausgeglichenheit in Ihrem
    Elternsein das angemessene Reagieren auf Ihr Baby ist – das Wissen, wann man ‘ja’ und wann ‘nein’ sagen und die Weisheit, zu
    sich selbst ‚ja’ zu sagen, wenn Sie Hilfe brauchen.

Mehr über Attachment Parenting
- AP ist ein Anfangsstil. Es mag medizinische oder familiäre Umstände geben, die es Ihnen unmöglich machen, alle dieser
    ‚Baby B’s’ zu praktizieren. Attachment Parenting beinhaltet jedoch zuallererst, Ihren Geist und Ihr Herz zu öffnen für die
    individuellen Bedürfnisse Ihres Babys und vielleicht werden Sie die Weisheit entwickeln dafür, wie man schnelle Entscheidun-
    gen trifft darüber, was das Beste für Sie und Ihr Baby ist. Machen Sie das Beste aus den Ihnen zur Verfügung stehenden
    Mitteln – das ist alles, was Ihr Baby jemals von Ihnen erwarten wird. Diese Baby B’s helfen den Eltern und dem Baby, den
    richtigen Beginn zu finden. Nutzen Sie sie als Anfangstipps, um Ihren eigenen Erziehungsstil zu finden – einen, der die indivi-
    duellen Bedürfnisse  Ihres Kindes und Ihrer Familie erfüllt. Das Attachment parenting hilft Ihnen, Ihren persönlichen Erzie-
    hungsstil zu entwickeln.
- AP ist ein Ansatz, nicht ein striktes Regelwerk. Es ist tatsächlich die Erziehung, die viele Eltern instinktiv nutzen. Erziehen ist zu
    individuell und das Baby zu komplex, um dass es hier nur einen einzigen Weg geben könnte. Der wichtige Punkt ist, mit dem
    Baby verbunden zu sein/zu werden, und dabei helfen die Baby B’s des Attachment Parenting. Sind Sie einmal ‚attached’ bleiben
    Sie bei den funktionierenden Dingen und ändern Sie die Dinge, die nicht funktionieren. Sie werden schliesslich Ihren eigenen
    Erziehungsstil entwickeln, der Baby und Eltern einen Weg zeigt, wie sie zueinander passen – das kleine Wort, dass so einfach
    die Beziehung zwischen Eltern und Baby beschreibt.
- AP ist reagierendes Erziehen. Durch Ihre Sensibilität für die Signale Ihres Babys lernen Sie, die Bedürfnisebene Ihres Kindes zu
    erkennen. Da das Baby Ihnen vertraut, dass seine Bedürfnisse erfüllt werden und seine Sprache gehört wird, glaubt das Baby
    auch an seine Fähigkeit, Signale zu geben. Als Ergebnis wird das Baby ein besserer Signal-Geber, die Eltern werden bessere
    Signal-Versteher und das ganze Eltern-Kind-Kommunikations-Netzwerk wird einfacher
- AP ist ein Werkzeug. Werkzeuge sind Dinge, die benötigt werden, um eine Arbeit zu vollenden. Je besser die Werkzeuge, desto
    einfacher und besser können Sie die Arbeit erledigen. Achten Sie darauf, dass wir den Begriff „Werkzeug“ verwenden und nicht
    „Schritt“. Bei Werkzeugen können Sie auswählen und entscheiden, welches Ihre persönliche Eltern-Kind-Beziehung am besten
    trifft. Schritte implizieren, dass Sie alle verfügbaren Schritte nutzen müssen, um die Arbeit fertig zu stellen. Sehen Sie das ‚Attach-
    ment Parenting’ als Verbindungswerkzeuge, Interaktionen mit Ihrem Kind, die Ihnen und dem Baby helfen, miteinander in Ver-
    bindung zu treten. Einmal verbunden wird die ganze Eltern-Kind-Beziehung (Disziplin, Gesundheitsvorsorge  und das gute alte
    Spaß haben mit dem Kind) natürlicher und erfreulicher. Betrachten Sie AP als ein Disziplinwerkzeug. Je besser Sie Ihr Kind
    kennen, desto mehr vertraut Ihnen Ihr Kind und desto effektiver wird Ihre Disziplin sein. Sie werden es einfacher finden, Ihr
    Kind zu disziplinieren und Ihr Kind wird sich einfacher disziplinieren lassen.

Übersetzung: Bianka Blavustyak, miit freundlicher Genehmigung von Attachment Parenting

Zu Biankas Attachment Parenting - Seite